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DER WEBERWEG - Spindlermühle

DURCH DEN WEISSWASSERGRUND, DER WEBERWEG

 Der Weg wurde vor mehr als hundert Jahren feierlich eröffnet (1891) und gehört zu den allerromantischsten Wanderwegen im Riesengebirge. Das Tal ist vom Norden her von der Kleinen Sturmhaube (Malý Šišák) (1) und vom Silberkamm (Stříbrný hřbet) (2), vom Süden her von den steilen Abhängen des Ziegenrückens (Kozí hřbety) (3) eingeschlossen. Wir stossen hier auf viele Erscheinungen, die das Riesengebirge zum Riesengebirge machen. Vom Mädelsteg zu den Wasserfällen des Weisswassers (Bílé Labe). Der Weg führt anfangs am rechten Ufer des Weisswassers entlang, wo auch alle Zuflüsse einmünden. Zuerst überqueren wir den Bach Rotfloss (Červený potok) (4), nachher einen kleineren Bach und 3/4 km weiter, gleich hinter den Wasserfällen des Weisswassers (5) auch den Sturmgraben (Hřímavá bystřina) (6).

 Wie ist das Tal entstanden? Ein nicht grosses, doch wildes FIüsschen, das uns den Weg entlang begleitet, brachte es zustande, dieses Tal durch allmähliches Eindringen in die Granitsohle zu vertiefen und somit auch zu bilden eine sogenannnte Wassererosion. (Beachten Sie den Unterschied zwischen diesem tiefen und engen Tal der V-Form und dem Elb- oder Riesengrund, die von Gletschern in die breite U-Form modelliert wurden. Das Vorkommen der Wasserfälle und Kaskaden auf dem Weissswasser dagegen, wurde durch einen gegensätzlichen Prozess bewirkt: durch Bewegungen der Gesteinsohle entsteht ein Druck, der die Gesteinsohle an einigen Stellen bricht und hochschiebt - man spricht von tektonischen Bewegungen. Das Tal modellierten auch noch Erdlawinen, Muren genannt: Schlamm - und Schuttströme, im Umfang von einigen Tausend m3 (d.b. ein mehrstöckiges Haus!), rasen von den steilen Abhängen ins Tal und erreichen, besonders in der Zeit der Sommerregengüsse, eine Geschwindigkeit von einigen Kilometern in der Stunde. Felsenrutsche und Schneelawinen haben auch ein wenig ihren Anteil daran.

 Von den Wasserfällen zur Weisswassergrundbaude (bouda U Bílého Labe) (7) gehen wir entlang des rechten Ufers weiter und 1/2 km unterhalb der Weisswassergrundbaude (7) überqueren wir den Fluss zur steileren Seite des Tales. Die Baude Iiegt an der Wegkreuzung mit dem Schneeschubweg (Dřevařská cesta) - gelbe Markierung (8) in der Höhe von fast 1000 m ü.d.M. Bis in diese Höhe reichte einmal die ursprüngliche Bewaldung, meist waren es Buchenbestände. Hier fliesst aus dem seitlichen Teufelsgrund (Čertův důl) der Teufelsbach (Čertova strouha) (9) zu.

 Ein Wald gleicht nicht dem anderen. Im unteren Teil des Tales konnten wir noch den ursprünglichen Buchenwald sehen. Die Buche war früher das meistverbreitete Gehölz und reichte bis in die Höhe von 1000 m ü. d. M., wo sie dann die widerstandsfähigere Gebirgsfichte ablöste. Doch nicht einmal die Fichte schaffte es bis zu den Gipfeln. Ungefähr in der Höhe von 1250 m ü. d. M. wird sie durch eine strauchartige Kiefer, durch das Knieholz abgelöst. (Auf unserem heutigen Weg konnten wir Knieholz hier und da auch schon in wesentlich niedrigerer Lage antreffen). Schon Ende des 15. Jahrhunderts wurden die ursprünglichen Wälder gerodet und dies wegen Holzbedarfs für díe Erzverarbeitung, aber auch um neue Flächen für Landwirtschaft, für die sogenannte Baudenwirtschaft zu gewinnen. Es überrascht Sie vielleicht zu Iesen, dass im 17. und 18. Jahrhundert der Riesengebirgswald noch viel mehr devastiert war als heutzutage. So, wie wir den Wald in unseren Tagen vorfinden, so sah er etwa ab der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts aus. (Im Jahre 1754 hatte Kaiserin Maria- Theresia für das böhmische Königsreich das sogenannte "Kaiserlich-königliche Wald- und Holz-Patent" herausgegeben, das dem Wald eine Rettung bringen sollte). Von der Zeit an wurden vorwiegend Fichten gepflanzt (oft allerdings hatten die jungen Bäumchen ihren Ursprung gar nicht im Riesengebirge) und so bilden heute die Fichten 90% des Waldbestandes im Riesengebirge. Während unserer Wanderung sehen wir meist nur Fichten, also eine Monokultur. Sie werden es vielleicht selbst gesehen haben, dass die Fichten geradezu anfällig sind, wenn es zu Windbrüchen kommt (ihre Wurzeln sind im Boden wenig tief verankert -ein Flachwurzelsystem, das man am Ausgangsort unserer Wanderung, am Mädelsteg, sehr gut erkennen kann). Einen grossen Schaden richtet natürlich der sogenannte "saure Regen" an, verursacht durch die ständige Luftverschmutzung. Und das Riesengebirge, umgeben von tschechischen, polnischen und deutschen Urhebern der Luftverschmutzung, die das sogenannte "Schwarze Dreieck" bilden, ist diesen Schadstoffen besonders ausgesetzt. In diesen, vom Menschen gezüchteten Monokulturen (dh. Bestände von nur einer Baumart), können sich auch einige Insektenarten so übervermehren, dass sie zu "SchädIingen" werden. Die Verwaltung des Riesengebirgs-Nationalparks (KRNAP) ist deshalb heute bestrebt, mit Hilfe der holländischen Stiftung FACE, den Riesengebirgswald nach gegebenen Gesetzen der Natur wieder zu erneuern.

 Von der Weisswassergrundbaude bis zum Rand der Weissen Wiese / Bílá Iouka. Sobald wir weitergehen, betreten wir die zweite Zone des Nationalparks. Sollten Sie sich vom Mädelsteg keine "Verhaltensvorschrift fur Besucher des Riesengebirgs-Nationalparks" mitgenommen haben, denken Sie daran, dass man von diesem Moment keine Waldfrüchte sammeln soll, nur auf den markierten Wegen gehen darf (im Winter mit Stangen markiert) und auch vom Mountainbike absteigen soll. Einen 1/2 km weiter kommen wir an die Grenze der ersten (10) und wertvollsten Zone. Nach einigen hundert Metern sind wir schon in Knieholzbeständen und durchkreuzen auch einige Lawinenbahnen ( 11 ).

 Die Lawine - Mörderin oder Gärtnerin? Auf dem Ziegenrücken bilden sich durch Wind Schneewächten, die bei Witterungswechsel in Form von Lawinen in das Tal niedergehen. Wehe dem, was sich ihnen da in den Weg stellt -sollte es ein undisziplinierter Tourist oder ein Baum sein. Förstern sowie auch den Touristen machen Lawinen noch mehr Sorgenfalten auf die Stirn, doch für Kräutersammler und Botaniker waren die Lawinenbahnen (im Weisswassergrund könnenn wir fünf von diesen aufzahlen) schon immer die allerbesten Fundorte. Lawinen beseitigten also hier den Waldbestand und sicherten so Hunderten von Kräutern genügend Sonne, gleichzeitig wirken diese Schneemassen als Wasservorrat, und im Winter verhüten sie ein Durchfrieren des Bodens.

 Über die Weisse Wiese zur Wiesenbaude. Im Sommer führt uns ein Felsensteg hinauf, im Winter ist dieser Weg gesperrt und der Stangenweg führt am Weisswasser entlang, weiter über das Silberwasser (Stříbrná bystřina) (12) bis zur Wiesenbaude (13). Nun sind wir im Gebiet der "Fünfzehnhunderter" des Riesengebirges - rechts Iiegt der dritt- und zweithöchste Berg Böhmens, der Hochwiesenberg (Luční hora) (14), 1547 m ü.d.M. und der Brunnberg (Studniční hora) (15), 1554 m ü.dM. Die ausgedehnte Fläche der Weissen Wiese (16) ist nur teilweise mit Knieholz bewachsen, denn in der Entstehungszeit der Baudenwirtschaft, wurde ein grosser Teil gerodet und ausgebrannt, und so bildet hier den Graswuchs das Gebirgsgras -Borstgras. Die Wiesenbaude -von der Baudenwirtschaft zum Touristenverkehr Oie Wiesenbaude (15) ist die Iegendärste Riesengebirgsbaude mit noch wenigsten zwei weiteren Superlativen: es handelt sich um eine Baude mit der ältesten Vermerkung der Geschichte - ein Stein mit der Jahreszahl 1623 oder 1625 bezeichnet wahrscheinlich schon die Zeit eines Umbaues. Zu dieser Zeit wurde auf dem Kamm schon rührig gewirtschaftet. Man weidete hier Vieh (anfangs überwiegend Rindvieh und Ziegen, später dann auch Schafe) und machte Heu. Da die Wiesenbaude am alten Handelsweg nach Schlesien Iag, hatte sie auch ihre "strategische" Bedeutung: sie diente den Kaufleuten als Zufluchtsstätte. Nach jeder Zerstörung, ob durch Brand oder Schnee, wurde sie immer wieder erneuert. Ende des 18. Jahrhunderts wurden dann die Kaufleute und Schmuggler so nach und nach von neuen Besuchern des Gebirges - von Touristen abgelöst. Für sie wurde die Baude vor mehr als 150 Jahren umgebaut (1833). Ein weiterer Umbau im Jahre 1914 brachte ihr den zweiten Superlativ - 120 Zimmer machten sie zur allergrössten Baude. Nach einem Brand im Jahre 1938 wurde sie wieder neu aufgebaut und so erhielt sie im Jahre 1940 ihr heutiges Aussehen. Wohin nun weiter? Von der Wiesenbaude können wir eine Wanderung durch das Aupa-Hochmoor (Úpské rašeliniště) (17) auf die Schneekoppe (Sněžka) unternehmen. Ein anderer Weg führt zum Rennerkreuz (Rennerův kříž), ein Denkmal der Bergopfer und weiter bis nach Spindlermühle (Špindlerův Mlýn) Als dritte Möglichkeit bietet sich der alte Bucharweg (Bucharova cesta) an, der durch Sankt-Peter (Svatý Petr) nach Spindlermühle führt (ist im Winter gesperrt!).